
Er hat Wasser geschluckt, dem Wind getrotzt und beim Marathon seinen eigenen Körper besiegt. Die Strapazen haben sich gelohnt: Gerhard Keitmann, 50 Jahre alter Triathlet der Rückenwind Geckos, erreichte beim berühmt-berüchtigten Ironman auf Hawaii als bester Europäer seiner Alters-klasse (AK 50-54) das Ziel. Zehn Stunden, 28 Minuten und 30 Sekunden hat der Dortmunder gekämpft: im Meer, auf dem Fahrradsattel, in seinen Laufschuhen - dann überquerte er erleichtert die Ziellinie. Keitmann meint: "Bei der Hawaii-Qualifikation in Frankfurt wurde ich anschließend am Tropf wieder hochgepäppelt, auf Hawaii ging es mir im Ziel relativ gut." Sein Körper hatte sich an die Belastungen gewöhnt.
"Gewöhnen" - was für ein Wort angesichts solch extremer Strapazen: 3,8 Kilometer Schwimmen im Ozean (Keitmann: "Ich habe bei starkem Wellengang richtig Wasser geschluckt"), 180 km Radfahren ("Ständig mit Gegenwind"), und dann die höllischen 42,195 Kilometer auf heißem Asphalt bei mehr als 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit.
Zehn Liter Flüssigkeit habe ich während des Wettkampfes zu mir genommen, mehrere Packungen Gel-Nahrung verdrückt und mir an den Verpflegungsstellen Eiswürfel in den Anzug geschüttet. "Gegen die Hitze", sagt Keitmann.
Nach der Raddistanz führte er seine Altersklasse noch an, mit der Zeit im Sattel hätte der Dortmunder selbst bei den Profis keinen der hinteren Ränge belegt. Erst auf dem Asphalt wurde Keitmann, der in Hombruch ein Geschäft für Triathlon-Bedarf führt, gestellt. Im Ziel waren lediglich der Australier Kevin Hill, der US-Amerikaner Charles Cowan und Juan Arrasate aus Chile vor ihm. "Mit so einem Erfolg", meint der Extrem-Sportler, "hätte ich nie gerechnet."

Und wann steht der nächste Triathlon über die Ironman-Distanz auf dem Terminplan? Keitmann denkt nach, zieht die Stirn in Falten: "Das kann ich den Menschen in meinem Umfeld so schnell nicht wieder antun. Vorerst reichen die kürzeren Strecken. Ein Jronman wäre für mich erst in der nächsthöheren Altersklasse wieder‚ eine Herausforderung." Mehr als vier Jahre muss Keitmann" (50) bis dahin noch warten.
Solange wird er von der Vergangenheit zehren. Freunde haben ihm in seinem Laden einen "Altar" gebaut. Mit Pokal, Schwimmkappe und einigen Fotos. Auf dem größten überschreitet er gerade die Ziellinie. In der Gewissheit, seinen Körper ein weiteres Mal bis an die Grenzen gebracht zu haben.